Unter dem Titel DAMALS ... 1978 - 1984

...hat Wilhelm Kunz in der letzten Ausgabe die Entwicklungsgeschichte des TT-Sports in Frohnhausen bis zur Vereinsgründung sehr illustriert dargestellt.
Ich wurde nun als Nachfolger von Wilhelm und damaligem 1. Vorsitzenden der neu gegründeten TTF gebeten, die „Erfolgsstory" weiter zu führen.
Beginnen möchte ich aber mit einer Begegnung, die noch etwas früher stattfand. Sie war bezeichnend für den damaligen „Pioniergeist" und brachte mich zur Vereinsarbeit in Frohnhausen:
Ich bin im Jahre 1973 nach Frohnhausen gezogen und hatte mich zum TT angemeldet. Nur kurze Zeit danach klingelte eines Abends Gerd Müller an der Tür und fragte mich, ob ich mal mit nach nebenan in sein Elternhaus kommen könnte, der TT - Ausschuss würde gerade tagen. Dort begrüßte mich Wilhelm mit den Worten: „Du arbeitest doch im Büro. Wir suchen jemanden, der schreiben und ein Protokoll führen kann". Ausgehend davon, dass es sich um eine einmalige Sache handeln würde, sagte ich meine Mitwirkung zu. Doch es wurde eine ständige Einrichtung und ich war ohne jegliche Wahl in die Vereinsarbeit eingebunden.
Wilhelm wollte mit der Vereinsgründung als „alter Fußballer und eingefleischter SSVler" leider nicht den Vorsitz und Detlev Horn nur den 2. Vorsitzenden übernehmen. So wurde ich in diese Funktion gewählt, die ich schließlich 7 Jahre ausgeübt habe.
Es wurde sehr schnell deutlich, dass die „Selbständigkeit" die richtige Entscheidung war. Neben den Einnahmen aus Veranstaltungen flössen nun auch die Mitgliedsbeiträge und Zuschüsse in die Vereinskasse, was eine ständige Materialverbesserung und solides finanzielles Fundament ermöglichte. Es wurden nach und nach „dicke" TT-Platten, Netze und Umrandungen angeschafft und die von Wilhelm in seiner Geschichte angesprochene „Materialdefizite" abgebaut. Ständig wurden Turniere, Ranglisten und Meisterschaften ausgerichtet, die uns zu einer festen Größe im Kreis, Bezirk und sogar darüber hinaus machten.
Dies führte auch zu einem Jugendvergleichskampf zwischen Hessen und Nordrhein- Westfalen, in dem einige spätere Nationalspieler mitwirkten. Die Mädchen waren seinerzeit in einem Hotel in Wissenbach und die Jungen in Eibelshausen untergebracht. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ein bekannter Spieler in Eibelshausen „ausbüxte" und den Weg zu den Mädchen nach Wissenbach suchte, was dann doch zu einiger Aufregung und auch Ärger führte.
Durch Verbindungen zu meinem früheren Verein in Hamburg-Lurup kam es in den folgenden Jahren zu vielen gegenseitigen, unvergesslichen Besuchen. Es werden sich mit Sicherheit noch einige TTFIer beim Rückblick gerne und schmunzelnd an den Besuch des Fernsehturms in Hamburg erinnern, wo man mit dem Eintritt von
5,—DM soviel Kuchen essen konnte wie man wollte. Dadurch blieb der Kuchennachschub bei den TTFIern hängen und erreichte nicht die anderen Gäste. Wir hatten damals große Bedenken, unseren Gästen aus der Weltstadt Hamburg bei uns auf dem Lande etwas Interessantes bieten zu können. Eine Grillfeier in der Hütte in Manderbach mit Gitarrenspiel, Lagerfeuer und Gesang sowie der Aufenthalt in der Natur waren aber überraschend gerade das, was für unsere Gäste unvergesslich wurde. Besonders einige Damen hatten so ihre besonderen Erinnerungen, als sie bei der Frage nach der Toilette von Wilhelm in den Wald verwiesen wurden und sich dabei in die Brennnesseln setzten. Ein lautes Geschrei war zu hören und führte zur allgemeinen Erheiterung.
Die gegenseitigen Besuche mit den Hamburgern waren auch gleichzeitig der Auftakt zu regelmäßigen weiteren Ausflügen der TTFIer (Paris, London, Wien), die bis heute Bestand haben und aus dem Vereinsleben nicht wegzudenken sind.
Ein ständiges Thema und zum Teil „Kampfarena" mit anderen Vereinen waren bis hin zu Schlichtungsgesprächen mit dem Amt für Jugend und Sport leider die Turnhallenbelegungszeiten, die auch heute noch immer problematisch sind.
Jährlich kamen immer wieder neue Spieler hinzu, es ging sportlich bergauf. Als wir Ende der 70er Jahre vor der A-Klassen-Meisterschaft standen, fand das Spitzenspiel gegen Mandeln vor ca. 100 Zuschauern statt!!!
Damals nahm man es sehr ernst mit der Disziplin. Es gab in Vorstandssitzungen - heute mag man darüber schmunzeln - „Kampfabstimmungen" über Abmahnungen oder sogar Rauswurf von jugendlichen Spielern, die bei Spielen negativ aufgefallen waren.
Schön zu verfolgen ist, dass der Verein an Mitgliedern, sportlichem und gesellschaftlichem Erfolg permanent gewachsen ist. Zurückblickend und zusammenfassend kann ich heute sagen, dass wir damals wie heute vielerorts als Musterverein angesehen wurden und werden. Einen Grund dafür sehe ich darin, dass die Vereinsarbeit von Beginn an ein gutes Fundament hatte und auf vielen zuverlässigen und engagierten Schultern aufgebaut war und ist.
Frohnhausen, d. 12.11.07 Ulrich Theiß